Eine zentrale Aufgabe:
Bildung
Zurückgehende Schülerzahlen insgesamt und der berechtigte Wunsch von immer mehr Eltern nach einem möglichst hochwertigen Schulabschluss für ihr Kind führen zu sinkenden Schülerzahlen vor allem bei den Hauptschulen – trotz größterAnstrengungen ihrer Lehrkräfte. Auch Realschulen sind zunehmend von diesem Abwärtstrend betroffen. Gefragt sind vor allem Schulen, die ohne Umwege zum Abitur führen. Dies ist in ganz NRW so. Der Kreis Soest ist hier keine Ausnahme.
Es handelt sich aber nicht um eine Krise der Haupt- oder Realschulen, vielmehr steht
das nach überkommenen und nicht mehr zeitgemäßen Prinzipien gegliederte Schulsystem unseres Landes auf dem Prüfstand. Dieses System ist sozial ungerecht und auch im internationalen Vergleich nicht effektiv. Auf einen „Aufsteiger“ kommen zehn „Absteiger“. So zerstört unser Schulsystem fortlaufend die Motivation von Tausenden von Schulkindern und Jugendlichen, gerade auch aus
bildungsferneren Schichten. Dies können und wollen wir uns im Interesse einer humanen Erziehung und unserer wirtschaftlichen Zukunft nicht länger leisten.
Vor diesem Hintergrund und vor dem Hintergrund der zurückgehenden Schülerzahlen insgesamt ist zur Sicherstellung eines wohnortnahen, hochwertigen Schulangebots eine Koordinierung der Schulentwicklung auf Kreisebene nötig. Die
größeren Schulstandorte im Kreis sind genau so betroffen wie die kleineren. Ein Rückgang von bisher aus dem Umland einpendelnden Kindern und Jugendlichen erfordert überall gemeinde-übergreifende Planungen. Bei kleineren Gemeinden
besteht die konkrete Gefahr, dass mit der Hauptschule die letzte weiterführende Schule am Ort verschwindet. Auch wenn es bislang nicht zu den gesetzlichen Aufgaben der Kreise gehört, könnte diese Koordination nur die Kreisverwaltung oder eine von ihr beauftragte Einrichtung leisten. Die SPD im Kreis Soest fordert die CDU-geführte Kreisverwaltung auf, hierfür im Interesse der Kinder und Jugendlichen und
damit unserer Zukunft Sorge zu tragen.
Nach Ansicht der SPD im Kreis Soest dürfen Schulstandorte nicht leichfertig aufgegeben werden. Eine wohnortnahe Schulversorgung beim weiterführenden Schulangebot muss überall sichergestellt werden, wo es sinnvoll und möglich ist.
Hierfür sprechen kulturelle, ökologische und finanzielle Gründe: vorhandene Einrichtungen werden erhalten, unnötiger Schülertransport unterbleibt, und offene aktive Schulen sind unverzichtbarer Teil des kulturellen Angebots in der Fläche.
Als Grundlage einer qualifizierten Weiterentwicklung der Bildungslandschaft im
Kreis Soest, ist die Erstellung eines Bildungsberichts notwendig. Die vorhandene
Datenbasis bedarf einer qualifizierten, gemeindescharfen Auswertung.
Hier hilft kein hilfloses Herumdoktern an Symptomen, wie es uns die CDU-geführte
Landesregierung fast täglich vorführt. Die SPD im Land fordert wie alle anderen Oppositionsparteien in NRW längeres gemeinsames Lernen für alle Kinder und Jugendlichen auch nach der Grundschule. Der Vorschlag der NRW-SPD: Nach der
Klasse 4 lernen in der Gemeinschaftsschule alle Kinder bis zum 9. oder 10. Schuljahr unter einem Dach. Unter einer gemeinsamen Schulleitung werden sie je nach ihren persönlichen Fähigkeiten und ihrem aktuellen Entwicklungsstand gefördert. Dies
erfordert eine flexible Organisation. Bis zum Ende der Klasse bleiben im Modell der
Gemeinschaftsschule alle Klassen zusammen, danach sind unterschiedliche Modelle denkbar. Hierüber entscheidet der Schulträger in Zusammenarbeit mit der Schule.
Für uns Sozialdemokraten liegt der Schwerpunkt auf der integrativen Bildung und Erziehung in den Regelschulen, die derzeitigen Kapazitäten reichen hier nicht aus, um den derzeit steigenden Bedarf zu decken. Deshalb müssen die Kapazitäten in
den Regelschulen ausgeweitet werden.
Zur Vermittlung der integrativen Bildung und Erziehung in den Regelschulen bedarf es eines konkreten Aktionsprogramms im Kreis Soest.
Die gegenwärtige CDU-geführte Landesregierung erlaubt aus ideologischen Gründen zur Zeit keine Gemeinschaftsschulen, in der alle Kinder und Jugendlichen nach der Grundschule bis zum Ende der Sekundarstufe I unter einem Dach unterrichtet werden. Sie erlaubt nur die Zusammenlegung von Hauptschulen mit Realschulangeboten. Auch wenn diese Lösung nach Ansicht der SPD nicht
zukunftsfähig ist, sollte diese Möglichkeit dann genutzt werden, wenn keine andere Möglichkeit gefunden wird, einen Schulstandort vorläufig zu retten. An speziellen, dafür geeigneten Standorten kommt auch die Gründung einer
Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in Frage. Dies wird von der CDU geführten Landesregierung aller Erfahrung nach zwar behindert, das Schulgesetz lässt dies aber zu. Denkbar sind auch Gründungen von Zweigstellen existierender
Gesamtschulen. Es kommt auf die jeweilige Situation am Ort an.
Darüber hinaus erfordert die gegenwärtige Situation vorrangig Handlungsbedarf in vier Feldern:
- Planung, Vernetzung und Organisation der Bildungsangebote im Kreis Soest durch eine Bildungskonferenz auf der Basis des von der Verwaltung zu erstellenden Bildungsberichtes. An dieser Einrichtung beteiligen sich alle an
Bildung, Ausbildung und Weiterbildung beteiligten Institutionen. Die Eigenständigkeit der Einrichtungen bleibt gewährleistet, doch Profilierung, Transparenz und bedarfsgerechte Entwicklung sollen besser geplant und gesteuert werden, auch um Ressourcen für neue Angebote freizusetzen (Bildungsbüro). Beispiel für eine ähnlich arbeitende Planungsinstanz ist die
Pflegekonferenz im Kreis Soest. Das neu eingerichtete Bildungsbüro muss die notwendige Koordinierung leisten.
- Ausbau des Ganztagsunterrichtes an den Förderschulen des Kreises.
Die Umstellung auf Ganztagsschulen ist bisher an 4 Förderschulen (Werl,Erwitte, Lippstadt, Soest ) erfolgreich eingeführt. Auch die Schülerinnen
und Schüler von Clarenbachschule und Jacob-Grimm-Schule sollen diese Möglichkeiten der intensiveren pädagogischen Förderung erhalten.
- Die Situation der Förderschule für soziale und emotionale Entwicklung in der Sekundarstufe I im Kreis Soest ist unzureichend. Alle Jugendlichen
der Sekundarstufe I werden aus dem gesamten Kreisgebiet in Lippstadt an der Hedwig-Schule beschult. Dies führt für viele Schülerinnen und Schülerzu sehr weiten Schulwegen. Durch organisatorische Maßnahmen soll eine wohnort-nähere Beschulung gewährleistet werden. Gleichwohl gilt es, die UN-Konvention für die Rechte der Menschen mit Behinderungen konsequent umzusetzen. Danach muss auch im Kreis Soest dafür Sorge getragen werden, dass Kinder in der Regelschule die notwendige sonderpädagogische Förderung erhalten und somit der Gemeinsame
Unterricht ausgebaut wird.
- Eine der vordringlichsten Aufgaben in Ganztagsschulen ist die regelmäßige Versorgung mit gesunder Nahrung. Viele Kinder gehen ohne Frühstück in die Schule. Wenn Eltern aus Kostengründen ihre Kinder von der Schulspeisung
abmelden, fehlt ihnen die Grundlage für eine erfolgreiche Teilnahme an Lernprozessen. Die SPD setzt sich für eine Abgabe der Schulspeisung zu einem nur symbolischen Preis ein, denn schon jetzt sind Außenstände der Eltern auf
dem Verwaltungsweg nicht einzutreiben. Bei nachgewiesenen sozialen Härten kann auf das Entgelt ganz verzichtet werden.
- Im Übergang von der weiterführenden Schule in den Beruf brauchen viele Schüler eine bessere Beratung. Bekommen sie keine Ausbildungsstelle auf
dem ersten Arbeitsmarkt, verlieren sie Zeit durch ungeeignete vollzeitschulische Bildungsgänge, die sie abbrechen. Derzeit gibt es eine Vielzahl von Beratungsstellen und Angeboten, die aber oft nur befristet existieren. Wir brauchen dauerhafte Anlaufstellen mit Lotsenfunktion, um gerade schwache Schülerinnen und Schüler rechtzeitig über ihre Chancen zu informieren und ihnen Zeitverluste und unnötige „Schleifen“ zu ersparen.
Vorzugsweise soll dieses Übergangsmanagement unter dem Dach des zu schaffenden Bildungsbüros angesiedelt sein.
- Einrichtung eines Pools für Integrationshelfer nach SGB XII. Viele schwerst und mehrfach behinderte Schülerinnen und Schüler brauchen solche Integrationshelfer, oft kommen die Anforderungen zu kurzfristig, um reagieren zu können. Andere Kreise haben gute Erfahrungen mit einem Pool gemacht, so dass keine langen Wartezeiten entstehen.
- Die Kooperationsbeziehungen zu komplementären Bildungsträgern (INI, SEN,Kolping, Kreishandwerkerschaft, Diakonie pp.) sollen ausgebaut werden. Hierzu ist auf eine Profilbildung zu achten, um ressourcensparend eine
möglichst breite Palette an Angeboten entwickeln zu können.
- Eine geregelte Ferienbetreuung ist in allen Kommunen unter Federführung des Kreises sicherzustellen („Bündnis für Familie“). Lebensnahe Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sichern die Ansiedlung junger Paare in
der Region und helfen jungen Familien.
- Vollzeitschulische Berufsbildungsgänge sichern und kompensieren fehlende duale Ausbildungsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt. Sie sind kontinuierlich an die Erfordernisse der Berufswelt anzupassen.
- Ausbau eines sozialpädagogischen Dienstes als Regelaufgabe an unseren weiterführenden Schulen. Dabei sind alle Möglichkeiten einer dauerhaften
Finanzierung durch das Land NRW auszuschöpfen. Im Interesse der Arbeit müssen Dauerbeschäftigungs-verhältnisse geschaffen werden.
- Verzahnung zu den Gesundheitsberufen über Modellversuche wie Altenpflege, Physiotherapie.
- Der Bücherbus soll als eine Säule der bibliothekarischen Grundversorgung erhalten und wenn möglich ausgebaut werden. Die Existenz der Einrichtung kann nicht verbunden sein mit dem derzeitigen Fahrzeug. Eine Vernetzung
mit den kommunalen Bibliotheken ist sicher zu stellen.
- Die Bildungskette in der Region verlangt für schulische und berufliche Bildung gute Angebote der Volkshochschulen. Die VHS Möhne-Lippe sichert
die Angebote für Gemeinden ohne eigene VHS. Schwerpunkte sind im Bereich der Weiterbildung, der Arbeit mit Migranten und der Jugendarbeit
zu setzen. Möglichkeiten der intensiveren Zusammenarbeit mit den anderen drei VHS im Kreisgebiet sollen stärker als bisher genutzt werden.
- Erfreulicherweise verfügt der Kreis mit Soest und Lippstadt über zwei Hochschulstandorte, die unsere Region positiv beeinflussen wurden.
- Beide Hochschulen werden nur erfolgreich sein, wenn sie ihre Arbeit kooperativ und abgestimmt organisieren.
