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SPD für Modellprojekt der Schnellbuslinie S 60

„Wir wollen die Schnellbuslinie 60 zwischen Lippstadt und Warstein zu einem interkommunalen Modellprojekt für den öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum weiterentwickeln.“ Mit diesen Worten fasste Prof. Dr. Werner Kirsch (SPD) als Vorsitzender des Kreistagsausschusses Verkehr und Mobilität das Ergebnis einer Online-Konferenz mit den SPD-Fraktionsvorsitzenden aus Lippstadt, Erwitte, Anröchte und Warstein und zusätzlichen Verkehrsexperten zusammen.

Die S-60-Linie verbindet vier Kommunen mit unterschiedlicher zentraler Ausstattung im Bereich der Versorgung, des Bildungswesens, der Kultur und der Arbeitswelt miteinander und hat eine verkehrsgeographische Bedeutung für mehr als 100 000 Einwohner. Bereits jetzt sei die Buslinie durchaus vorzeigbar mit einer Stundentaktung, einem engen Netz von häufig barrierefreien Haltestellen, mit schnellen und modernen Bussen, Fahrradboxen etc. Allerdings bestimme der individuale Autoverkehr immer noch das Verkehrsgeschehen auf der alten B 55. Durch eine Optimierung des öffentlichen Nahverkehrs könne man jedoch einen deutlichen Akzent in Richtung Klimawandel und Umweltschutz setzen.

Der Einsatz von klimaneutralen Bussen mit moderner Antriebstechnologie ist unabdingbar. Der Lippstädter Fraktionsvorsitzende Thomas Morfeld wies in diesem Zusammenhang auf umfangreiche Überlegungen zur Nutzung der Wasserstofftechnologie in seiner Heimatstadt hin. Der überregionale Verkehrsexperte der Sozialdemokraten, Dr. Günter Fiedler, forderte eine Ausweitung des Fahrplans in den Abendstunden und eine Verdichtung der Taktung während der „rush hours“. Erwin Koch aus Warstein wies auf ein hohes Potential von Berufspendlern zu den großen Arbeitgebern wie z.B. Hella, Infineon, LWL und den vielfältigen Gewerbegebieten entlang der Strecke hin. Hier gelte es maßgeschneiderte Angebote zu entwickeln. Die Chefs der Ratsfraktionen in Anröchte und Erwitte, Martin Fischer und Martin Niehaus, erläuterten die angedachten Mobilitätsstationen entlang der Linie, die durch ein erweitertes Angebot die Versorgung der Ortsteile abseits der Linie verbessern könnten. Professor Werner Kirsch erörterte, dass die Preisstruktur durch eine Vielzahl von Angeboten – allerdings nicht immer ganz übersichtlich gekennzeichnet sei. Für den Normalreisenden seien die Angebote nicht gerade billig, hier gelte es maßgeschneiderte Produkte zu entwickeln, die deutlich kostengünstiger seien. Kirsch: „Ein kostengünstiges Angebot ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Individualverkehr.“
Die regionale SPD möchte nun einen Arbeitskreis bilden, der sich um weitere Detailfragen kümmert und zum Beispiel das Gespräch mit Busexperten aus den Verkehrsunternehmen und Vertretern der großen Betriebe sucht.

Auch möchte sich die heimische SPD klar zur Reaktivierung des Personenverkehrs auf der Schiene abgrenzen.
Der Anröchter SPD Kreistagsabgeordnete Wilfried Jäger erteilte Überlegungen zur Reaktivierung des Personenverkehrs auf der WLE-Trasse eine klare Absage. „Eine hochmoderne Schnellbuslinie ist klar im Vorteil.“ Experten gingen davon aus, dass eine Ausbaumaßnahme im Bereich der Eisenbahn ca. 15 Jahre andauern würde und Investitionskosten im mittleren zweistelligen Millionenbereich erfordere. Darüber hinaus verlaufe die Bahnstrecke sehr ungünstig durch die Innenstädte von Warstein und Belecke. In Anröchte eher in einer Randlage und in Erwitte über die hochfrequentierte Kreuzung. Sowohl für Anlieger, besonders aber auch für Nutzer sei eine optimale Buslinie mit vielen Haltestellen, modernen Bussen und guten Preisen deutlich von Vorteil. Sie für eine weit in der Zukunft liegende Bahnlinie aufzugeben, sei nicht zielführend.